sunny 16 blende 8

Die Sonne lacht, nimm Blende 8 ist so ein Leitsatz, den bestimmt schon der eine oder andere Fotograf gehört hat. Dieser Satz ist lustig, weil er sich reimt, hat aber ein entscheidendes Problem: Ohne Referenzwert nützt er wenig. Denn neben der Blende entscheiden auch die Verschlusszeit und der ISO-Wert des Films über das Bild. Hier ist die sogenannte Sunny 16-Regel wesentlich eleganter.

Stellen wir uns vor, die Sonne lacht und wir nehmen Blende acht, haben aber einen hochempfindlichen Film in der Kamera und aus Versehen die Verschlusszeit auf 1/8 Sekunde gedreht. Was wird wohl passieren? Das Bild wird hoffnungslos überbelichtet und lässt sich schlecht scannen und vermutlich noch schlechter in der Dunkelkammer bearbeiten. So traurig. Der Merksatz „Die Sonne lacht, nimm Blende 8“ ist also wie ein Wert X in einer Gleichung mit einem Y und einem Z. Selbst, wenn wir wissen, dass X=8 ist, haben wir keine Möglichkeit, Y und Z daraus zu errechnen.

Die Sunny 16-Regel

Die Sunny Sixteen-Regel kommt aus dem englischsprachigen Raum und hat dieses Problem mit den unbekannten Variablen ziemlich elegant gelöst: Wenn es herrlich sonnig ist und kein Belichtungsmesser zur Hand, kann man einfach den Blendenwert 16 einstellen. Dann nämlich entspricht die Verschlusszeit ziemlich genau dem Kehrwert der Filmempfindlichkeit. Im Klartext bedeutet das:

Sunny 16

  • ISO 50 → 1/50s
  • ISO 100 → 1/100s
  • ISO 200 → 1/200s
  • ISO 400 → 1/400s
  • ISO 800 → 1/800s

sunny 16 in der praxis

Wenn man die Verschlusszeit intuitiv einstellen muss, hilft uns Sunny 16 beim Berechnen des richtigen Wertes. Besonders hilfreich ist es, wenn man bei strahlendem Wetter eine Toy Cam wie die Smena 8M mitnehmen möchte. Bei ihr kann man nämlich die Blende hervorragend einstellen und die Verschlusszeit wählen.

Nicht alle Kameras erlauben eine derart feine Einstellung der Verschlusszeit. In vielen Fällen wird die Verschlusszeit mehr oder weniger verdoppelt (zum Beispiel 1/500s, 1/250s, 1/125s, 1/60s …). In diesem Fall wählt man am besten die nächst höhere Verschlusszeit. Bei ISO 100 und Blende 16 wäre das dann 1/125s, bei ISO 200 1/250s und so weiter.

Auch für Kameras, bei denen nur eine Verschlusszeit möglich ist, hilft die Regel beim Einschätzen des zumindest passenden Films. Die Holga und Diana sind hier explizit gemeint: Die Holga hat eine Verschlusszeit von ca. 1/100s und eine Blende von (angeblich) f/8. Laut Wikipedia sind diese Werte allerdings eher f/13 (Wolke) und f/19 (Sonne). Bei Sonnenschein kann man sich also je nach Tageszeit auf einen Film mit ISO 100 oder 200 festlegen. Im Falle der Diana liegt die Verschlusszeit ungefähr bei 1/60s, die Blende lässt sich hier allerdings etwas feiner einstellen, was mehr Spielraum gibt.

Sunny 16 und Looney 11

sunny 16 blende 16

Das besonders Schöne an der Sunny 16-Regel ist, dass es analog dazu noch die sogenannte Looney 11-Regel für die Nachtfotografie gibt. Wenn man den Mond fotografieren möchte, ist besonders bei Vollmond das Gegenlicht unseres Erdtrabanten etwas problematisch. Selbst mit einem Belichtungsmesser wird es schwierig, den richtigen Wert auszumachen. Hier hilft die Looney 11 Regel: Stellt man seine Kamera auf Blende 11, ist dann die Belichtungszeit ebenfalls der Kehrwert der Filmempfindlichkeit. Mit einem schicken Zoom-Objektiv soll dann der Mond mit seinen Konturen gut sichtbar sein.

Das Wolkenfoto hier im Beitrag ist übrigens mit der Sunny 16-Regel entstanden und ich finde es wirklich gelungen. Vor ein paar Wochen habe ich mit meiner Canon A-1, einem Zoomobjektiv und einem Agfa APX 400 ein schönes Vollmondfoto gemacht und werde das hier nachreichen, sobald ich es entwickelt habe. Ich weiß, dass man zur Nachtfotografie eher unempfindlichere Filme verwenden sollte, aber ich hatte nun einmal nur den 400er drin.

Wenn ihr mehr über die Sunny 16-Regel erfahren wollt; in der englischen Wikipedia steht das noch etwas ausführlicher. Ich wünsche viel Spaß mit der Sunny 16-Regel! In diesem Sinne: Wenn die Sonne lacht, vergiss Blende 8!